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lübeck

Brockmann

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Klappentext

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Leseprobe

Umschulung von Jochen Brockmann

 

Nachdem Herbert seinen Job verloren hat, findet er mit 48 Jahren keine neue Stelle. Das wenige Geld bekommt er monatlich von der Arge. Dort muss er sich regelmäßig melden, sein Einkünfte angeben, die er nicht hat, und kommt sich mehr und mehr vor  wie ein Verbrecher, weil er Geld vom Staat nimmt.

Also denkt er eines Tages, wenn er schon wie ein Krimineller behandelt wird, kann er auch eine verbrecherische Laufbahn einschlagen. Als er Siggi, einen tolpatschigen Einbrecher, auf frischer Tat erwischt, kommt ihm die Idee, bei diesem als Auszubildender anzufangen. Siggi ist von dieser Schnapsidee überhaupt nicht begeistert.

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Gemeinsam mit der Rheinischen Post und Buch Habel hatte der Leportello-Verlag zum 1. Krefelder Kurzkrimi-Preis aufgerufen. Jeder Geschichte sollte ein Verbrechen zu Grunde liegen, das sich am Niederrhein abspielt.

Weit über 100 Autorinnen und Autoren aus dem deutschsprachigen Raum sandten ihre Kriminalgeschichten ein. Sie haben vielfältige Charaktere geschaffen, sie in kriminelle Machenschaften verwickelt, die an Schauplätzen spielen, die jeder Niederrheiner wiedererkennt.

Eine fünfköpfige Jury hat die besten Geschichten um Mord und Totschlag, Intriganten und Profikiller ausgewählt - und den Sieger und zwei weitere Preisträger ermittelt.

 

 

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Autorennamen in alphabetischer Reihenfolge:

 

Erika Bleckmann, Jochen Brockmann, Gitta Edelmann, Jürgen Ehlers, Ingrid Klomp, Alexandra Guggenheim, Anna Hassel, Robert Herbig, Claus Hermbusche, Rudolf Jagusch, Petra Kaps, Wolfgang Kuhn, Peter Lengwenings, Iris Lieser, Ingo Loy, Ulrike Renk, Marlen Schachinger, Niklaus Schmid, Michael Seiz, Amaryllis Sommerer, Klaus Stickelbroeck, Alexa Thiesmeyer, Camilla Wieck, Jepe Wörz,

 

And the winner is ...

  1. Preisträger ist Jürgen Ehlers mit seinem Kurzkrimi "Killer aus Hamminkeln"
  2. Preisträgerin ist Gitta Edelmann für
    "That´s what friends are for"
  3. Preisträger ist Jepe Wörz für
    "24 Stunden Gladbach"

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Leseprobe aus "Umschulung" von Jochen Brockmann

 

Herbert heiße ich, Herbert ... oh nein, meinen Nachnamen behalte ich lieber für mich. Eigentlich sollte ich auch meinen Vornamen verschweigen oder mir wenigstens ein Pseudonym zulegen.

Es ist ja nicht so, als hätte ich es nicht probiert, aber ich kann mir einfach keinen falschen Namen merken. Ich habe es schon mal mit Stefan versucht und prompt kam die Frage, ‚Stefan mit f oder ph?‘ Darauf war ich nicht vorbereitet und mal ehrlich, wenn jemand nicht weiß, wie sein Vorname geschrieben wird, wirkt er nicht gerade glaubwürdig. Ich bin dann wieder zu Herbert übergegangen. Den Namen kenne ich jetzt seit achtundvierzig Jahren und ich kann ihn auch problemlos buchstabieren.

Der Grund, warum ich meinen vollständigen Namen nicht nennen kann, liegt an meinem Job. Ich bin ein Einbrecher, beruflich meine ich. Na ja, noch nicht ganz. Zurzeit befinde ich mich in der Umschulung. Frau Jennerwein von der Arge, eine richtige Ziege, behauptet, dass eine Weiterbildung zum Einbrecher nicht nach dem Arbeitsförderungsgesetz bezuschusst wird. Das bedeutet, ich kriege keinen zusätzlichen Cent, habe aber jede Menge Ausgaben. Ob diese Kosten als außerordentliche Belastungen beim Finanzamt abgesetzt werden können, weiß ich noch nicht. Ich sammele jedenfalls alle Quittungen, man kann ja nie wissen.

Nachdem ich vor zwei Jahren meinen Job als Versicherungsangestellter in der Schadensregulierungserteilung Diebstahl und Einbruch verlor, bekam ich Arbeitslosengeld, aber keinen neuen Job. Inzwischen bin ich ALG II Empfänger und nach den Aussagen der Arge ein potenzieller Betrüger. Das sagen die natürlich nicht wirklich, aber wenn sie mal die Schreiben lesen, die ich in den vergangenen Monaten kommen habe, dann fühlen Sie sich wie ein kriminelles Subjekt. Da ist dann die Rede von ‚fehlender Mitwirkungspflicht‘ und ‚verschwiegenem Einkommen‘. Ihre Kontoauszüge werden forensisch untersucht und wehe, Sie haben nicht genug Geld von Ihrem Konto abgehoben, schon werden sie vorgeladen und müssen erklären, von was sie gelebt haben.

Kalle, ein alter Schulfreund von mir und auch seit zwei Jahren Hartz IV Mitglied - wir treffen uns einmal im Monat im Fasskeller auf der Hülser Straße - sagte eines Abends, als wir uns wieder auf ein Bierchen getroffen hatten, der Unterschied zwischen den richtigen Gaunern und uns sei das Einkommen. Die müssten jedenfalls nicht jeden Cent zweimal umdrehen. Wenn wir schon wie Kriminelle behandelt würden, dann könnten wir auch gleich eine Bank überfallen.

Richtig ernst gemeint war das natürlich nicht. Kalle hatte schon ein paar Bierchen intus und als Bankräuber ist er völlig ungeeignet. Der hat ja schon Probleme, den Geldautomaten zu bedienen. Aber Kalle hatte da bei mir was in Gang gesetzt. Mich ließ der Gedanke nicht mehr los, mein Gehalt wieder von der Versicherung zu kassieren, nur diesmal steuerfrei und leistungsbezogen. Aus meiner Zeit als Schadensregulierer weiß ich, welche Sümmchen bei einem Einbruch zusammenkommen können.

Dass es nun tatsächlich so gekommen ist, und ich als Einbrecher-Azubi ohne Lehrvertrag heute vor meiner praktischen Prüfung stehe, verdanke ich mehr oder weniger dem Zufall. Der Zufall heißt Siggi. Der Name stimmt natürlich nicht, denn Siggi ist ein Einbrecher mit langjähriger Erfahrung und - damit prahlte er immer - nur zweimaliger Verurteilung.

 

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